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Einleitung

Ana Mendes Godinho

Ministerin für Arbeit, Solidarität und Soziale Sicherheit der Portugiesischen Republik

BIO

In diesen herausfordernden Zeiten muss unser Hauptziel darin bestehen, die Verbreitung der Epidemie zu stoppen, Leben zu retten und unsere Gesundheitssysteme funkti­onsfähig zu halten. Gleichzeitig können wir aber auch nicht die Krisensituationen aus den Augen verlieren, die diese Pandemie bereits heute in unseren Mitgliedstaaten und in der Europäischen Union hervorruft.

Diese Krise wird tiefe und lang andauernde Folgen haben, insbesondere im Bereich Beschäftigung. Der wirtschaftliche und soziale Aufschwung wird sehr anspruchsvoll und langwierig werden. Europa muss fokussiert bleiben und gemeinschaftlich handeln. Dies wird ein entscheidender Faktor für unsere Zukunft sein.

Die Arbeitswelt wird nicht mehr dieselbe sein. Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken, die vor uns liegenden Herausforde­rungen zu bewältigen. Dabei muss unser Hauptziel darin bestehen, unsere Bürger*innen und ihre Arbeitsplätze zu schützen. Das Phänomen der Globalisierung, verbunden mit beschleunigtem tech­nischen Fortschritt, hat das Entstehen globaler Lieferketten gefördert. Diese haben wiederum weltweit zu einem Wandel der Arbeitswelt beigetragen, der von tief greifenden Veränderungen der forma­len organisatorischen und produktiven Standardarbeitsmodelle sowie der Qualifikationen, Arbeitsbedingungen und Löhne von Erwerbspersonen geprägt ist. Wir werden innovativ sein und alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen müssen, um bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und dafür zu sorgen, dass neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Antizipation der Auswirkungen dieser Krise ist entscheidend, um die politischen Maßnahmen zur Bewältigung des Aufschwungs festzulegen und gleichzeitig menschenwürdige, qualitativ hochwertige Arbeit zu valorisieren und starke Sozialschutzsysteme zu verteidigen.

Die Digitalisierung sowie neue Kommunikations- und Herstellungstechnologien bieten Chancen sowohl für Arbeitgeber als auch für Beschäftigte. Mehr denn je wird es notwendig sein, dass sich Entscheidungsträger, Unternehmen und Sozialpartner an Verände­rungen anpassen und zu Innovationen bereit sind, wenn es um neue Formen der Arbeitsorganisation, die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen sowie um die Entwicklung und Anpassung von Qualifikationen und Fähigkeiten geht. Dies wird der Schlüssel für unseren Aufschwung sein.

Die Krise kann nicht als Argument dafür genutzt werden, die aktuelle Debatte einzustellen. Wir müssen das in unserer Gesellschaft angestrebte Modell für Arbeitsbeziehungen weiterhin diskutieren und hinterfragen. Es ist enorm wichtig, die Qualität der Arbeit zu verbessern, Wahlmöglichkeiten zu erweitern, die Kluft zwischen den Geschlechtern zu schließen, Armut zu bekämpfen und Ungleichheiten abzubauen, in lebenslanges Lernen zu investieren und für alle Beschäftigten, ungeachtet ihres Beschäftigungsstatus, gleichberechtigten Zugang zu Arbeit und Sozialschutz zu gewährleisten.

„Die Krise kann nicht als Argument dafür genutzt werden, die aktuelle Debatte einzustellen. Wir müssen das in unserer Gesellschaft angestrebte Modell für Arbeitsbeziehungen weiterhin diskutieren und hinterfragen. “

Unsere Rolle besteht darin, eine sozial gerechte Zukunft der Arbeit, die in geeigneter Weise an Veränderungen angepasst und in der Lage ist, unvorher­gesehenen Krisen entgegenzutreten, zu gestalten, ihr einen Rahmen zu geben und sie zu regulieren. Ich glaube, dass der derzeitige Wandel eine Chance und keine Bedrohung sein sollte – eine Chance zur Schaffung einer wohlhabenderen Zukunft, die wirtschaftliche Sicherheit, Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit garantiert.

Dies sind gemeinsame Herausforderungen für die Europäische Union und ihr Hauptziel der Konvergenz. Heute mehr denn je!

Ebenfalls ist es sehr wichtig, die Rolle fairer Mindestlöhne zu betrachten. Ich glau­be, dass die Gewährleistung von Mindestlöhnen, die Beschäftigten und ihren Familien ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, entscheidend dabei sein wird, Ungleichheiten zu bekämpfen und zu einer gleichmäßigeren Ein­kommens­verteilung beizutragen. Durch die Gewährleistung fairer Mindest­löhne für alle Europäer, in Abhängigkeit von dem in dem betreffenden Land beste­henden Lebensstandard, werden wir ein sozialeres, geeinteres, gerechteres und wettbewerbsfähigeres Europa fördern.

Da die Zukunft der Arbeit schon heute stattfindet, sollten wir die Dynamik nutzen und kreativ sein. Ob als Politiker*innen, Wissenschaftler*innen, Beschäftigte, Wirtschaftsakteure, Sozialpartner oder einfach nur als Bürger*innen: Ein Nachdenken über die vielfältigen Dimensionen der Zukunft der Arbeit ist unvermeidlich. Ich hoffe, dass die nächsten Europäischen Semester mit der bevorstehenden Trio-Präsidentschaft von Deutschland, Portugal und Slowenien eine enorme Möglichkeit darstellen werden, all diese wichtigen Themen zu diskutieren. Es ist unerlässlich, auf die Umsetzung und Weiterentwicklung der Europäischen Säule sozialer Rechte Einfluss zu nehmen und gemeinsam zur Entwicklung des entsprechenden Aktions­plans beizutragen. Wir brauchen den Europäischen Aktionsplan, um diese Krise zu überwinden und unseren Bürgern zu zeigen, dass Zusammenhalt der Schlüssel für unsere Zukunft ist.

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