DE
|
EN
Praxis

Neue Chancen im digitalen Wandel in Zukunftsberufen

Text: Abteilung Digitalisierung und Arbeitswelt, Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Die digitale Transformation und der rasante technologische Wandel verändern die Arbeitswelt grundlegend. Doch es gibt Beispiele, wie berufliche Neuorientierung im digitalen Wandel gelingen kann.

Simone Hinz hat berufliche Umbrüche und Neuorientierungen nicht nur einmal erlebt. Ursprünglich hat die heute 56-jährige Schauwerbegestalterin in einem kleinen Einzelhandelsgeschäft gelernt. Nach der Ausbildung ging es für sie dort nicht weiter und sie arbeitete in verschiedenen Druckereien. Sie machte eine berufsbegleitende Ausbildung zur Rotationsdruckerin. Der technologische Wandel betraf aber auch die Druckerbranche. Der Unternehmensstandort, an dem Frau Hinz arbeitete, wurde geschlossen. Gemeinsam mit Kolleg*innen kam sie in eine Transfergesellschaft und begab sich schließlich auf Jobsuche.

Die Druckindustrie erlebte in den letzten 20 Jahren einen tief greifenden Strukturwandel, der weiter anhält. Die Reduzierung von Zeitungen, Beilagen und Katalogen führte oft zur Schließung von Druckereien und zum Abbau von Beschäftigten. Den Beruf der Rotationsdruckerin gibt es in dieser Form nicht mehr. Inzwischen wurde das Berufsbild an die Druckerei 4.0 angepasst und heißt nun Medientechnolog*in.

Frau Hinz musste neu anfangen und hat sich entschieden, noch mal einen neuen Beruf zu lernen. Nach 27 Jahren in der Druckindustrie wollte sie im technischen Bereich bleiben, und seit 2018 lernt sie den Beruf der Technischen Produktdesignerin. Aufgrund der angespannten Beschäftigungssituation in der Druckindustrie hielt der Berater in der Agentur für Arbeit die Förderung einer neuen Berufsausbildung für sinnvoll. Wichtig war ihm hierbei, dass Frau Hinz auf ihre bisherigen beruflichen Erfahrungen und ihr gutes Verständnis für technische Abläufe aufbauen kann. Zudem spielte auch die große Motivation eine wichtige Rolle, denn bei einer von der Agentur für Arbeit geförderten Umschulung ist die reguläre Ausbildungszeit um ein Jahr auf zwei Jahre verkürzt. Das stellt eine erhöhte Anforderung an die Teilnehmenden.

„Frau Hinz ist eines von zahlreichen Beispielen, die zeigen, wie berufliche Neuorientierung im digitalen Wandel gelingen kann. “

Die Umschulung zur Technischen Produktdesignerin beginnt mit einer 15-mo­natigen schulischen Ausbildung bei einem Bildungsträger, an die sich ein 10-monatiger praktischer Teil im Unternehmen anschließt. Sich nach so vielen Jahren im Berufsleben noch mal dem Lernalltag zu stellen, erlebt Frau Hinz als herausfordernd, und es verlangt ihr einiges an Durchhaltevermögen ab. Den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolviert sie bei der Firma Jensen in Harsum. Hier erstellt sie technische Zeichnungen für Wäschereimaschinen und Einzel­anfertigungen für Großwäschereien.

Simone Hinz gefällt ihr neuer Beruf. Wenn sie die abschließenden Prüfungen erfolgreich besteht, kann sie als Belohnung eine Weiterbildungsprämie in Höhe von 1.500 Euro von der Agentur für Arbeit erhalten. Frau Hinz ist eines von zahlreichen Beispielen, die zeigen, wie berufliche Neuorientierung im digitalen Wandel gelingen kann. Sicher auch ein Vorbild für andere.


Freude am Lernen: Simone Hinz sieht nach 27 Jahren in der Druckindustrie als Produktdesignerin eine neue beufliche Perspektive. Foto: Stefan Othmer

Seite teilen